Störungen bei Erwachsenen
Aphasie
Eine Aphasie ist eine erworbene zentrale Sprachstörung, welche durch eine Beeinträchtigung aller Komponenten des Sprachsystems (Phonologie, Lexikon, Semantik und Syntax) charakterisiert ist. Die Störungen erstrecken sich in unterschiedlichem Schweregrad über die vier sprachlichen Modalitäten Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Bei einer Aphasie sind grundsätzlich die gleichen Symptome in allen Modalitäten nachweisbar.
Generell unterscheidet man, je nach Flüssigkeit spontaner Sprachproduktion, zwischen flüssigen und nicht-flüssigen Aphasien und klassifiziert Aphasien in verschiedene Syndromformen.
Dabei wird bei den vier Standardsyndromen zwischen der Globalen Aphasie, der Broca-
- Aphasie, der Wernicke-Aphasie und der Amnestischen Aphasie unterschieden.
Sprechapraxie
Bei einer Sprechapraxie ist die Planung und Programmierung von Sprechbewegungen gestört.
Dadurch können die Artikulation, die Sprechmelodie und der –rhythmus (Prosodie), sowie das Sprechverhalten betroffen sein.
Bei einer Sprechapraxie treten folgende Symptome auf:
- Lautliche Abweichungen bzw. Entstellungen von Lauten (z.B. übermäßig behauchtes /t/)
- Ersetzung und/oder Vertauschung von Lauten
- Störungen treten häufig am Anfang von Wörtern auf
- Suchbewegungen der Artikulationsorgane (Lippen, Zunge, Kiefer, …)
- Variierende Fehler bei Wiederholungen
- Verminderte Sprechgeschwindigkeit
- Gedehnt gesprochene Vokale
- Silbische Sprechweise
- Auffälligkeiten der Wortbetonung (Prosodie)
Häufig ist das Sprechen der Betroffenen angestrengt, was zu mimischen Mitbewegungen, gepresstem Stimmklang und Anspannung der Hals- und Gesichtsmuskulatur führen kann.
Rhinophonie
Eine Rhinophonie ist eine Störungen des Stimmklanges durch eine zu geringe ( oder übermäßige Nutzung des nasalen Klangraumes. Rhinophonien treten als organische Störungen bei Lähmungserscheinungen des Gaumensegels, bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder als funktionelle Störungen auf. Die Veränderung der Luftstromführung (z.B. Nasalität) beeinträchtigt unter anderem auch die Artikulation.
Dysarthrie
Eine Dysarthrie ist eine erworbene neurogene Störung der Motorik des Sprechens.
Dabei ist die Bewegungsausführung des Sprechens beeinträchtigt.
Dysarthrien betreffen die Atmung, die Stimmgebung, die Artikulation und die Prosodie. Dabei können folgende Symptome in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten:
- Einschränkung der Sprechatmung, dadurch teilweise leises oder viel zu lautes Sprechen, rauer Stimmklang, Stimmabbrüche
- Behauchter oder gepresster Stimmklang, teilweise Aphonie (keine Stimme)
- Hypernasaler Stimmklang ("Näseln")
- Schwankungen in der Tonhöhe
- Verlangsamtes Sprechen
- Unverständliches Sprechen
- Monotones Sprechen
Laryngektomie
Eine Laryngektomie ist die Entfernung des Kehlkopfes.
Der Kehlkopf (Larynx) erfüllt zwei wichtige Funktionen:
- Er sichert durch den Kehldeckel die Atemwege beim Schlucken vor dem Eindringen von Speichel und Nahrung.
- Die im Kehlkopf befindlichen Stimmlippen dienen der Stimmerzeugung.
Durch eine Laryngektomie ist eine künstliche Atemöffnung am Hals (Tracheostoma) erforderlich, da nur auf diese Weise die Trennung von Speise- und Atemweg sichergestellt ist. Eine normale Stimmgebung ist nach einer Laryngektomie nicht mehr möglich, weil dem Patienten keine Stimmlippen mehr zur Verfügung stehen. Die betroffenen Personen sind darauf angewiesen, nach der Operation eine Ersatzstimme zu erlernen.
Stottern
Stottern ist eine Störung des Redeflusses, bei der der Redefluss durch Wiederholungen, Dehnungen und Blockaden unterbrochen wird.
Die Kernsymptome beim Stottern sind:
- unfreiwilligen Wiederholungen von Lauten, Silben und/oder Teilworten (Ka-ka-ka-Kaktus)
- Dehnungen (Verlängerungen) von Lauten (Mmmmama) und
- Blockierungen, bei denen die Sprechbewegung völlig „steckenbleibt“ (--------apfel)
Die Reaktionen auf diese Kernsymptome sind ein gelerntes Verhalten und entstehen aus dem Versuch heraus, die Kernsymptomatik zu überwinden oder ihnen vorzubeugen. Diese Reaktionen können sehr vielfältig sein und zum Teil ein für die Sprecher sehr belastendes Ausmaß erreichen.
Die Verkettung von Kernsymptomen und Reaktionen darauf können rasch zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf werden, den negative psychische Reaktionen wie sprechbezogene Ängste und/oder Schamgefühle antreiben.
Das Stottern bei älteren Kindern und Jugendlicher ähnelt dem der Erwachsener. Allerdings zeigen Erwachsene bereits ein deutlich ausgeprägteres Störungsbewusstsein.
Poltern
Poltern ist eine Störung des Redeflusses, bei der der Redefluss als zu schnell und irregulär beschrieben wird.
Stimmstörungen
Stimmstörungen sind Beeinträchtigungen der Stimmfunktion.
Sie zeigen sich durch Einschränkungen der stimmlichen Leistungsfähigkeit sowie akute oder chronische Veränderungen des Stimmklangs.
Klassisch wird zwischen organisch und funktionell bedingten Dysphonien unterschieden.
- Organische Stimmstörungen treten in Folge einer strukturellen Veränderung (Operationen, Tumore,...) des Kehlkopfes auf.
- Funktionelle Dysphonien haben keine direkt sichtbaren Ursachen. Sie sind auf eine Störung der Kehlkopffunktion zurückzuführen. So können auf körperlicher Ebene beispielsweise chronische Haltungsfehler, Verspannungen, Muskelabbau oder Atemprobleme zu einer Fehlbelastung der Kehlkopfmuskulatur führen.
Autismus
Autismus ist eine angeborene, tiefgreifende Entwicklungsstörung.
Dabei können es folgende Kernsymptome auftreten, welche sich in unterschiedlicher Ausprägung zeigen können:
- Defizite in der sozialen Interaktion
- Beeinträchtigung in der Kommunikation
Auch im Bereich des Sprechens und der Sprache kommt es zu Besonderheiten:
- Sprechen: teilweise srechen autistische Personen gar nicht, oder äußern ohne erkennbare kommunikative Absicht auswendig gelernte Redewendungen oder wiederholen wortwörtlich, was andere zuvor gesagt haben.
- teilweise Schwierigkeiten beim Sprachverständnis
- Pragmatik: Die Sprache dient oft nicht zur Kommunikation, sondern zur Befriedigung eigener Bedürfnisse. Teilweise wissen Betroffene gar nicht, wozu man Sprache benutzt. Andere tun sich schwer, bei den Regeln des zwischenmenschlichen Dialogs (z.B. fehlernder Blickkontakt,...).
- Wortschatz: Missverständnisse über Wortbedeutungen, Freude an Wortneuschöpfungen, …